Annahme verweigert
Wenn "Annehmen" ein Paket wäre
Alexandra
2/20/20263 min read


"Du musst akzeptieren und annehmen"
Oh ich hasse diesen Satz! Auch wenn er viel Wahrheit in sich trägt.
Was aber wäre, wenn mein Lebenspaket vom DHL-Kurier geliefert würde?
Es klingelt. Und zwar nicht dieses freundliche, harmlose Klingeln. Sondern dieses leicht penetrante. Dieses „Ich weiß, dass du da bist“. Kaffee in der Hand. Kopf noch nicht ganz sortiert. Eigentlich war heute ein guter Tag geplant. Produktiv. Klar. Vielleicht sogar ein bisschen glorreich.
Und dann steht es wieder vor der Tür. Ein Paket vom Leben. Eine Dame vom MyMorningClub hatte es unbewusst an mich gesendet.
Unbestellt. Ungefragt. Ohne echten Absender, den man mal eben zurückrufen kann.
Mein erster Gedanke ist selten erleuchtet. Er ist eher so in Richtung: Ernsthaft jetzt? Ich habe nichts bestellt. Weder Drame noch eine unangenehme Rückmeldung. Keine Erkenntnis über mich selbst, die ich heute bitte nicht anschauen möchte. Und ganz sicher keine Situation, die mich zwingt, größer zu sein, als ich mich gerade fühle.
Annehmen klingt so weich. So freundlich, spirituell korrekt. Und ich denke dann immer: Nein danke. Ich bin heute eher im Modus „Widerspruch einlegen“.
Also mache ich innerlich die Tür nicht auf. Sicher war es für die Nachbarn. Vielleicht verschwindet es wieder oder löst sich über Ignorieren selbst.
Spoileralarm: Tut es nicht.
Das Leben ist ein emotionsloser Paketdienst. Es ist hartnäckig. Es klingelt noch einmal. Und wenn ich weiterhin nicht unterschreibe, dann legt es mir diesen Zettel in den Briefkasten:
„Zustellversuch fehlgeschlagen.“
Leider ist es damit getan. Das Paket kommt zurück. Größer. Mit mehr Inhalt.
Mit diesem unsichtbaren Aufkleber „Jetzt wird es unangenehmer, denn du musst zur nächsten Poststelle fahren mit doofen Öffnungszeiten und keinem Parkplatz vor der Türe“.
Was mich wirklich nervt: Es geht nie nur um die Situation selbst. Es geht um das, was sie in mir auslöst. Wenn ein Projekt nicht läuft, ärgert mich nicht nur das Projekt. Es kratzt an meinem Selbstbild.
Wenn jemand Kritik äußert, höre ich nicht nur die Worte. Ich höre alte Sätze, alte Zweifel, alte Geschichten.
Verändert sich etwas, was ich gerne stabil gehabt hätte, dann rebelliert in mir dieser Teil, der Sicherheit liebt.
Da beginnt mein Widerstand. Ich diskutiere innerlich, erkläre, warum das jetzt keine Zeit hat, suche Schuldige, da dies bequemer ist.
Und währenddessen? Kostet es mich unfassbar viel Energie! Widerstand ist Schwerstarbeit. Es ist wie gegen eine Wand drücken und hoffen, dass sie aus Höflichkeit zur Seite geht. Annehmen fühlt sich im ersten Moment an wie verlieren. Als würde man sagen: „Na gut, dann eben so.“
Aber das ist ein Missverständnis.
Annehmen heißt nicht, dass ich etwas gutheiße oder begeistert bin. Es heißt auch nicht, dass ich mich abfinde und klein mache. Annehmen heißt nur: Es ist da und darf sein. In dem Moment, in dem ich aufhöre zu diskutieren, verändert sich etwas. Nicht die Situation. Sondern meine Position darin.
Solange ich kämpfe, bin ich im Reagieren.
Wenn ich annehme, komme ich zurück ins Gestalten.
Das ist der Teil, der mir irgendwann klar geworden ist. Ich nehme nicht an, weil ich brav bin. Ich nehme an, weil ich keine Lust habe, meine Kraft in einen Kampf gegen Fakten zu stecken. Die Realität ist kein Gegner. Sie ist präsent. Ich bin der Beobachter von mir selbst.
Und ja, manchmal ärgert mich das immer noch. Ich hätte es gerne anders. Ich hätte gerne nur die angenehmen Lieferungen. Ein bisschen Erfolg bitte, aber ohne Unsicherheit.
Liebe, aber ohne verletzt zu werden. Freiheit, aber ohne Verantwortung. Finanzielle Fülle, aber ohne die Frage, ob ich mich wirklich traue, groß zu denken. Veränderung, aber bitte ohne Abschiedsschmerz.
Wir wollen Erfolg und bekommen Wachstum. Wir wollen das Ergebnis, aber nicht den Weg. Das Leben liefert jedoch nie halb. Es liefert immer das Gesamtpaket. Mit allem, was dazugehört.
Mein Takeaway, obwohl ich immer Rebellin bleiben werde:
Nicht mehr reflexartig „Annahme verweigert“ zu rufen bzw. jedes Paket als Zumutung zu betrachten.
Sondern die Tür zu öffnen, kurz zu seufzen und genervt zu sagen:
„Gut. Ich hab dich gesehen." Unterschrift und ab ins Büro damit.
Und dann entscheide ich, was ich behalte, was ich lerne und was ich anders mache.