Portal in eine andere Welt
Neue Realitäten
Alexandra
3/20/20263 min read


Ich kann auch nachdenklich:
Yess - ich bin Serienjunkie. Aber ich auch jemand, der nicht still konsumiert, sondern sich Gedanken macht, was hier die Botschaft sein könnte. Mir ging das neulich so, als ich The Man in the High Castle gesehen habe. Die Ausgangsidee ist schon so verstörend, dass man kurz innehält: Der Zweite Weltkrieg ist anders ausgegangen. Die Alliierten haben verloren. Amerika ist aufgeteilt. Der Osten steht unter nationalsozialistischer Kontrolle, der Westen unter japanischer. Eine Welt, die bedrückend wirkt, geordnet, streng, kontrolliert. Menschen leben darin, arbeiten, gehen einkaufen, versuchen irgendwie ihren Alltag zu organisieren. Glücklich sind sie alle nicht. Alles wirkt normal. Nur dass diese Normalität eine ganz andere Geschichte erzählt.
Doch dann tauchen Filmrollen auf. Filme aus einer anderen Realität. Dokumentationen, in denen der Krieg anders ausgegangen ist. Und sie erkennen sich hier wieder. Sie sehen sich in diesen Filmen, als wären sie hierzu die Statisten gewesen. Real, jenseits von Fantasie.
Und je mehr dieser Filmrollen auftauchen, desto stärker beginnt sich etwas im Kopf der Menschen zu verändern. Nicht sofort, sondern langsam, fast unmerklich. Die Vorstellung einer anderen Welt wird plötzlich denkbar. Und wenn eine Idee erst einmal denkbar geworden ist, passiert etwas Interessantes. Das Gehirn beginnt, sie nicht mehr nur als Fantasie zu behandeln, sondern als Möglichkeit.
Auch wenn diese Serie dystopisch ist, mich hat sie in ihren Bann gezogen. Funktioniert unsere Welt nicht ähnlich?
Wir stehen morgens auf, trinken unseren Kaffee, gehen unserer Arbeit nach, führen Gespräche, planen unsere Tage, Wochen, Jahre. Alles wirkt logisch und stabil. Es ist die Welt, die wir kennen. Und genau deshalb glauben wir, dass sie die Realität ist.
Unsere Realität besteht zu einem großen Teil aus dem, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Aus Geschichten, die wir ständig wiederholen. Aus Bildern, die sich im Kopf festsetzen, weil wir sie immer wieder anschauen.
Wenn man jahrelang hört, dass etwas schwierig ist, dass man vorsichtig sein muss, dass Sicherheit wichtiger ist als Freiheit, dann beginnt diese Welt irgendwann so real zu wirken wie eine Landschaft. Man bewegt sich darin wie auf vertrauten Wegen.
Die Menschen in der Serie leben genau so. Ihre Welt ist grau und streng. Aber sie haben sich daran gewöhnt. Nicht weil sie sie lieben. Sondern weil sie keine Alternative kennen. Erst als diese Filmrollen auftauchen, entsteht ein Riss im Beton der Gewohnheit.
Am Anfang ist es nur ein kurzer Moment. Jemand schaut einen Film und denkt: Das sieht möglich aus. Dann taucht eine zweite Rolle auf. Und eine dritte. Mit jeder neuen Szene wächst ein leiser Zweifel. Vielleicht ist diese Welt gar nicht die einzige. Ich finde diesen Gedanken unglaublich faszinierend.
Wir erleben dies doch auch? Nicht in Form von geheimnisvollen Filmrollen, sondern in Form von Ideen, Begegnungen, Geschichten. Ein Gespräch mit jemandem, der ganz anders lebt. Ein Buch, das plötzlich einen neuen Blick eröffnet. Eine Erfahrung, die zeigt, dass Dinge möglich sind, die man vorher ausgeschlossen hat.
Was wir manchmal für unrealistisch halten, setzen andere um. Gehen wir 100 Jahre in der Zeit zurück und erzählen, dass wir mit einer KI sprechen. Welche Blicke hätten wir geerntet?
Unser Gehirn beginnt Bilder mit Wiederholungen Ernst zu nehmen. Was wir häufig sehen, wird vertraut. Was vertraut wird, fühlt sich real an. Und was sich real anfühlt, beginnt unser Verhalten zu beeinflussen. Im Guten wie im Schlechten.
Es entstehen neue Wege. In der Serie gibt es dann einen Übergang zwischen diesen Welten. Eine Art Energiefeld, durch das man in diese andere Version der Realität gelangen kann. Natürlich ist das Science Fiction.
Vielleicht beginnt jede neue Realität damit, dass jemand eine Filmrolle ernst nimmt, die andere für unmöglich halten. Du siehst ein Bild, das noch nicht zu deiner aktuellen Welt passt und schaust länger hin. Es wirkt zu riskant, zu weit weg, was deine Komfortzone ausmacht. Doch es fesselt dich immer mehr.
Jetzt ist es an dir, dieses Energiefeld aufzubauen und durch dein Portal zu gehen. Ich weiß nicht, wie das funktioniert. Ich weiß nur, dass du und ich es können.